Die Leitkultur

Gespräch

Nationale Identität oder Kunst der Alltagsbeherrschung?

 

Bernhard Schlink im Gespräch mit Manfred Osten

Oft fragen sich Gesellschaften erst dann, was sie eigentlich verbindet, wenn der Zusammenhalt bedroht erscheint. Der Begriff der „Leitkultur“ dürfte das Ergebnis einer solchen Selbstbefragung angesichts gefühlter oder tatsächlicher Bedrohungen sein. Allerdings wurde er, noch bevor man sich über seinen Inhalt verständigen konnte, umgehend und vehement zurückgewiesen. Ursprünglich war er wohl als Maßstab, ja Messlatte für gelingende Integration in die deutsche Gesellschaft ins Gespräch gebracht worden, womöglich war er in unsicheren Zeiten der Versuch einer konservativen Selbstvergewisserung als „Wertegemeinschaft“. Doch ist damit noch immer nichts über seinen Inhalt gesagt. Ist Leitkultur ein Kanon von Büchern und Sinfonien, sind es die Werte des „Christlichen Abendlands“? Sind es gewisse „deutsche Tugenden“? Ist es die „Freiheitliche Grundordnung“? Für Bernhard Schlink ist Leitkultur all das nicht, sondern lediglich die Gesamtheit der „Erwartungen, deren Erfüllung wir im alltäglichen Umgang miteinander voraussetzen“.

Bernhard Schlink war bereits erfolgreicher Jurist und Professor für Öffentliches Recht, als er im Jahre 1987 seinen ersten Roman, Selbs Justiz, herausbrachte. Mit Selbs Betrug (1992) und Selbs Mord (2001) folgten weitere Kriminalromane um die Figur des Privatdetektivs Gerhard Selb. Sein bekanntester Roman ist wohl Der Vorleser aus dem Jahr 1995. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichte Bernhard Schlink im September 2017 einen Gastbeitrag unter dem Titel Alltagskultur als Leitkultur, der viel Beachtung fand. In Neuhardenberg spricht er mit dem bewährten Moderator, ehemaligen Diplomaten und Goethe-Kenner Manfred Osten über einen umstrittenen Begriff im gesellschaftlichen Diskurs.

Die Leitkultur

Gespräch

  • Sonntag, 22.04.2018
  • 17 Uhr
  • Großer Saal

Eintritt
€ 12,- / ermäßigt € 9,-

Vorverkauf

telefonisch unter
033476 600-750