Anna Seghers
Ich will Wirklichkeit
Liebesbriefe an Rodi
1921 – 1925
»Sei nicht ungehalten, dass ich Dich so mit der Post quäle, doch wenn ich ohne Nachricht bin, bin ich unfähig zu allem.« – Netty Reiling, 1921
Als Anna Seghers’ Enkel Jean Radványi Familienunterlagen sortierte, stieß er auf eine Schachtel und darin auf etwas völlig Unerwartetes: über 400 Briefe, die seine Großmutter Netty Reiling – Seghers hatte ihren Künstlernamen noch nicht gewählt – an ihren späteren Mann László Radványi geschrieben hat. Es öffnete sich ein bislang verschlossener Blick in das frühe Leben einer der bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts.
Die Liebesbriefe an Rodi, so nannte sie ihre große Liebe zeitlebens, erzählen von tiefer Zuneigung, Zweifel und künstlerischem Erwachen. Sie zeigen eine junge Frau im Kampf gegen gesellschaftliche Erwartungen und gegen die Ablehnung ihrer Verbindung mit dem aus Ungarn stammenden Studenten László durch ihre Familie, einer Frau, die ihren Weg als Schriftstellerin sucht und bereit ist, für ihre Gefühle und Überzeugungen einzustehen.
Die Briefe geben Einblicke in die Zeit der Neuorientierung nach dem Ersten Weltkrieg und der zunehmenden Bedrängung durch die äußeren Zustände, bevor die Katastrophe des 20. Jahrhunderts alles ändern wird. Gleichzeitig lassen sie Anna Seghers als eine junge Frau voller Aufbruchstimmung, Leidenschaft und großer Hoffnungen erscheinen. Noch nie hat man sie so intim kennengelernt wie in diesen Briefen. Jutta Hoffmann lässt die emotionale wie literarische Fülle dieser bislang unbekannten Briefe lebendig werden. Ein Abend über den Mut zu lieben – und den Mut zu schreiben.
Jutta Hoffmann begeistert schon seit den frühen 1960er Jahren immer wieder mit ihren Darstellungen in Film und Theater. Die bekanntesten Film- und Fernsehregisseure besetzten sie: Frank Beyer, Herrmann Zschoche, Thomas Langhoff und immer wieder Egon Günther, mit dem sie viele Jahre in einer engen und erfolgreichen Partnerschaft arbeitete. Für die Darstellung der Margit in Egon Günthers Film Der Dritte erhielt sie 1972 den Silbernen Löwen als beste Schauspielerin bei den Filmfestspielen in Venedig. Ihre Rollendarstellungen in Inszenierungen von Ruth Berghaus, B. K. Tragelehn, Benno Besson, Peter Zadek oder Einar Schleef belegen ihre Meisterschaft und gehören zu den bedeutendsten Ereignissen deutscher Theatergeschichte.
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