Die zwölf Leben des
Daniel Chodowiecki

Eine Wiederentdeckung
zum 300. Geburtstag

Kuratorenführung

Als Johann Wolfgang Goethe 1778 zum einzigen Mal in seinem Leben Berlin besuchte, mied er nahezu alle prominenten Künstler und Schriftsteller der Stadt. Einen jedoch, den er besonders verehrte, suchte er gleich zweimal auf: den Illustrator Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726 – 1801). Was er zeichnete, avancierte zum Bestseller. Mit seinen Buchillustrationen wurde Chodowiecki zum Superstar des boomenden Buchmarktes. Über 4000 überlieferte Arbeiten belegen seine erstaunliche Produktivität. Schon zu Lebzeiten erschienen Werkverzeichnisse, Kaiser Joseph II. sammelte seine Blätter und fragte beim Künstler nach seltenen Stücken.

Hinter diesem Ruhm verbirgt sich eine fast unglaubliche Lebensgeschichte. Ein junger Mann, der mit 17 Jahren aus Armut von Danzig nach Berlin flieht und zunächst Kaufmann wird. Ein Autodidakt, der erst spät zur Druckgrafik findet, jenseits der Vierzig seinen Durchbruch erlebt und schließlich Direktor der Akademie der Künste wird. Eine prägende Stimme der französischen Gemeinde, gefragter Kunstsachverständiger und Vater einer Künstlerdynastie, in der auch die Töchter erfolgreich mit Kunst ihren Lebensunterhalt verdienen. Eine Biografie, die so umfangreich ist, dass es scheint, als habe er zwölf Leben gelebt.

Heute löst Chodowiecki nur noch selten Begeisterung aus. Er gilt als spießig, verstaubt, steif. Die Ausstellung will solche Vorurteile über Bord werfen und lädt anlässlich seines 300. Geburtstags dazu ein, einen der faszinierendsten Künstler des 18. Jahrhunderts neu zu entdecken.

Die Ausstellung ist Teil des internationalen Jubiläumsjahres »Chodowiecki 300«.