Scharfe Feder, feine Nadel

In Chodowieckis Welt

gelesen von Boris Aljinović

aus Göttinger Taschenkalendern, Sudelbüchern und Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg

eingerichtet von Gerhard Ahrens

Zu den prägenden Stimmen der deutschen Aufklärung zählt der Experimentalphysiker, Satiriker und Meister des Aphorismus Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799). In seinen Göttinger Taschenkalendern, den Sudelbüchern und kurzen Prosastücken schärft sich ein Blick, der scheinbar beiläufige Beobachtung mit unerbittlicher Selbstprüfung, Sprachwitz und Skepsis gegenüber jeder Gewissheit verbindet. Lichtenberg kommentierte die Radierungen seines Zeitgenossen Daniel Chodowiecki, in denen das bürgerliche Zeitalter zwischen Empfindsamkeit, Rollenspiel und sozialer Kontrolle sichtbar wird. Im Zusammenspiel dieser Bildwelten entwickelt Lichtenberg eine Kunst des genauen Hinsehens: die Physiognomie als Ausdruck menschlicher Freiheit, Täuschung und Selbstinszenierung.

Mit lakonischem Humor und feiner Ironie blättert Lichtenberg den großen Roman des täglichen Lebens auf – Szenen, in denen jede und jeder »mitspielt«. In Korrespondenz mit Chodowieckis Blättern entsteht ein Raum der Aufklärung, der Vernunft und Gefühl, Beobachtung und Beteiligung, Körper und Charakter sichtbar macht. Mit Lichtenbergs literarischer Finesse, Satire und naturwissenschaftlicher Neugier unternimmt Boris Aljinović eine Reise in Chodowieckis Bildwelt.

Boris Aljinović ist Bühnen- und Filmschauspieler und war von 2002 bis 2014 Berliner Tatort-Kommissar. Er spielt u. a. in Produktionen des Renaissance Theaters Berlin, des Ernst Deutsch Theaters Hamburg und der Hamburger Kammerspiele. Als Hörbuchsprecher hat er von einer Vielzahl an Einspielungen mitgewirkt. Auch als Regisseur ist Boris Aljinović einem großen Publikum bekannt.