Meldungen aus der Villa Massimo

Lesung von und mit Peter Wawerzinek


Peter Wawerzinek, geboren 1954 in Rostock ist Autor, Journalist und Filmemacher. Er erhielt 2018 das Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds, 2010 den Ingeborg-Bachmann-Preis und war Stadtschreiber in Lohme, Jena, Klagenfurt, Magdeburg und Dresden. In seiner Zeit als Romstipendiat in der Villa Massimo entstand – unter dem Eindruck des Lockdowns - eine Reihe von Zeitungsartikeln aus denen er lesen wird.


Where DU you come ƒ-ROM?
Lebenszeit tickt. Ich lebe in der Villa Massimo. Ich pilgere unzählige Male in die Stadt hinein, halte mich in ihr auf. Rom soll in mir romoren. Ich gehe umher. Ich will eine Romsonde werden. Und schon wird die Stadt in mir zur Silbe Rom. In meinem Kopf geistert Rom. Romunculus romizid, singt es in mir. Ich hab geromt heut Nacht, das ganze Rom heut Nacht, als eine große Romphonie. Silben werden Wortgeschöpfe. Tanzend, zuckend, schwebend, malvenfarbig, taubengrau und ziegelsteinzeitlos erlebe ich die Stadt. Ich bin ansässig in ihr mit meinen Worten, die Rom in sich tragen und mir sagen, was ich von Rom weiß, wissen sollte, herausfinde, mir einreden darf. Es tickt, seit ich von Rom rede, in meinem Hirn ein MetroRom. Tage, Stunden, Monate, Jahre. Frische Worte. Romkost. Im Zentrom Roms aufgeschnappt. Beim StRomern entdeckt. Rombus Roma. FutuRom. FoRom. SpektRom. Roma Koma. Der StRom an Worten ist nicht mehr zu stoppen. Syndrom. Velodrom. Palindrom. Kondrom, Kosmodrom. Romsassa. Romba Zamba klingt es in mir. Und auf der Romenade steht plötzlich Rometheus herom, der Romleuchter im Cosmos Romos. So rombivalent und rombitioniert. Und will mit mir romunizieren! Unerkannt, unbemannt, ganz romonym. Als Anromer zu Anromer. Hokus Pokus Romulus. Der Rock´n Rom ist auferstanden. Ist Serom, Hörom, Schmeckrom. Wird zum Romolog in mir. Ein Romofant aus Silben. Mein ganz persönliches ROMesseum.
(Peter Wawerzinek, 2020)