Sabine Scho

Die fotografierende Autorin Sabine Scho, lebte von 2006 bis 2014 in São Paulo, heute in Berlin. Alle ihre Texte sind im Grenzbereich zu Fotografie, Zeichnung und Bild angesiedelt. Zuletzt erschienen: Tiere in Architektur (KOOKbooks, 2013), The Origin of Senses zusammen mit Andreas Töpfer (Museum für Naturkunde Berlin, 2015). Auszeichnungen: u.a. Deutscher Preis für Nature Writing (2018). Gastprofessorin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig 2018/19

«alle vögel verschwinden» (2020)

Plakate auf bedrucktem Papier, 60 × 80 cm

Fotografien: Matthias Holtmann, Sabine Scho
Gedicht: Sabine Scho

Sabine Scho liest «alle vögel verschwinden»
Claudia Bellanca liest «tutti gli uccelli scompaiono» (italienische Übersetzung)

Sabine Scho ist eine fotografierende Autorin, die sich in Wort und Bild immer wieder mit der Tierwelt und ihrer oftmals komplizierten Beziehung zur Gattung Mensch auseinandersetzt. Die Mauer, die den Garten der Villa Massimo und die darin lebenden vier- und zweibeinigen Wesen wie einen hortus conclusus umgibt, wurde zum Träger von 61 Postern, die zwei ganz unterschiedliche Tierbegegnungen der Autorin während ihres Romaufenthaltes und ein daraus resultierendes Gedicht zeigen.

Am 17. Januar, dem Festtag des Heiligen Antonius, fotografierte Sabine Scho zusammen mit ihrem Partner Matthias Holtmann die Segnung der Haustiere vor der Kirche des Heiligen Eusebius an der Piazza Vittorio. Obwohl der Heilige Antonius eigentlich der Schutzpatron der Schweine ist, werden in dieser Zeremonie heutzutage fast keine Nutz-, sondern fast ausschließlich domestizierte Haustiere gesegnet.

Die Poster der zweiten Serie zeigen ausschnitthaft unterschiedlichste Vogeldarstellungen, die sich im Fresko des Gartensaals der Villa di Livia im Museo Nazionale Romano Palazzo Massimo befinden. Es handelt sich bei dieser Illusionsmalerei um die weltweit älteste Gartendarstellung — sie kann in die Zeit von 40 bis 20 v. Chr. datiert werden — und ist in Genauigkeit und Detailreichtum der Darstellung von Flora und Fauna einzigartig.

Die farbigen Fotografien zeigen einerseits die vielen unterschiedlichen Arten von Vögeln, halten aber ebenso den physischen Verfall des Freskos und damit das zunehmende Verschwinden der Vögel fest.

Das Gedicht von Sabine Scho verknüpft die beiden Tierbegegnungen, bringt den Heiligen Franziskus und seine Vogelpredigt mit ins Spiel und wirft Fragen auf: Welchen Tieren geben wir Raum und Wert? Nehmen wir all die Lebewesen, die neben dem Menschen die Stadt und die weitere Umwelt bevölkern, überhaupt noch wahr? Bemerken wir ihr Verstummen und Verschwinden?

Das Werk befindet sich nun gegenüber der Schinkel-Kirche, die eine sphärische Sternenkuppel als Deckenmalerei schmückt. Karl Friedrich Schinkel selbst hat sie 1814 für eine Aufführung von Mozarts Zauberflöte entworfen. In dieser populären Oper ist mit Papageno ein Vogelfänger weltbekannt geworden.

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