Vom Zauber einer
verwehenden Sprache

Deutsche Gedichte und Balladen
Ulrich Tukur und
Christian Redl, Rezitation
Olena Kushpler, Klavier

In Zeiten von Sprachzerstörung und Reizüberflutung erinnern Ulrich Tukur und Christian Redl an den Ursprung von Theater: an die Sprache als ehrlichste Übermittlerin guter Geschichten. Beide Schauspieler sind in ihrer Jugend mit großen deutschen Gedichten in Berührung gekommen. Ulrich Tukur durch seinen Vater, der an seinem Bett Goethe und Schiller rezitierte. Christian Redl durch legendäre Abende und Plattenaufnahmen mit Klaus Kinski. Neben ihren Lieblingsgedichten widmen sie sich einer unzeitgemäßen Form der Erzählkunst. Den Älteren noch eine nicht nur frohe Erinnerung an den Deutschunterricht, sind Balladen oft meisterhaft erzählte Kurzgeschichten, in denen es plastisch und pointiert um Dinge geht, die auch in jedem Kriminalroman für Spannung sorgen: um Verführung, Treue und Verrat, um unerwiderte Liebe, um Leben und Tod. Und in all dem hohen Ton findet man zwischen den Reimen die Nähe zu Bänkelsang, Komik und Kolportage: Wie eine alte Boulevard-Zeitung im klassischen Versmaß. Nur mit ihren Stimmen, ein wenig Mimik und unendlich viel Bühnenerfahrung erzeugen Ulrich Tukur und Christian Redl mit Texten von Goethe, Fontane, Brecht und Enzensberger fantastische Welten, die, weil es immer um große Schicksale geht, tief berühren. Mit oft zeitgleich zu den Texten entstandenen Kompositionen reagiert die Pianistin Olena Kushpler am Klavier auf die gesprochenen Worte.