Liebes Leid und Lust

Texte von Irène Némirowsky
gelesen von Claudia Michelsen
und Sylvester Groth

eingerichtet von Gerhard Ahrens

„Wann würde man aufhören zu kämpfen, sich zu zerfleischen, und anfangen, einander Gutes tun zu wollen?"
Irène Némirovsky

Irène Némirovsky war eine der großen Schriftstellerinnen Frankreichs in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. 1903 als Tochter eines russischen Bankiers in Kiew geboren, siedelte sie mit ihrer Familie während der Oktoberrevolution nach Paris über. Dort wurde sie 1929 mit ihrem Roman David Golder über Nacht zum Star der Literaturszene und gefeierte Autorin der 1930er Jahre. Beim Einmarsch der Deutschen 1940 musste sie mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in die französische Provinz fliehen. Als Jüdin erhielt sie dort ein Veröffentlichungsverbot, im Juli 1942 wurde sie verhaftet, wenige Wochen später starb sie in Auschwitz. Lange in Vergessenheit geraten, wurde Némirovskys Werk erst in den letzten Jahren wiederentdeckt.

Die Lesung vereint Szenen aus drei Romanwerken Irène Némirovskys: In Feuer im Herbst zeichnet sie eindringlich das Paris in der Zeit vom Vorabend des Ersten bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges. Einen tiefen Einblick in die französische Provinz der 1920er und 1930er Jahre gewährt dagegen das Sittenbild Leidenschaft. Komplettiert wird die Lesung aus dem reichen Werk der Autorin mit Auszügen aus Zu zweit, dem Psychogramm eines Ehepaares, das nach anfänglich wilder Leidenschaft an Alltagsbanalitäten zu tragen hat. Irène Némirovsky schildert darin mit feinsinniger wie bildgewaltiger Sprache den schmalen Grat zwischen Lebensgier und Todesfurcht der „Jeunesse dorée“ nach dem Ersten Weltkrieg.

Ihre feinen, hintergründigen Abbildungen menschlicher Motive machen Claudia Michelsen zu einer Darstellerin, die Frauen in Grenzsituationen wahrhaftig und erwachsen zum Leben erwecken kann. Auf dem Theater arbeitete sie mit Regisseuren wie Heiner Müller und Frank Castorf. Zahlreich sind auch ihre Engagements in Kino- und TV-Produktionen, darunter in Deutschland Neu(n) Null von Jean-Luc Godard und Der Turm von Christian Schwochow. Sie erhielt u. a. dafür den Grimme-Preis. Seit 2013 ermittelt sie im Polizeiruf 110 in Magdeburg. In den vergangenen Jahren stand sie unter anderem für die Serien Ku’damm 56, 59 und 63 vor der Kamera.

Sylvester Groth gehört zu den anerkanntesten Charakterdarstellern im deutsch-sprachigen Raum. Seine Figuren sind hintergründig, sein Spiel ist intensiv. Er stand auf allen wichtigen Bühnen und arbeitete mit renommierten Regisseuren wie Peter Zadek, Klaus-Michael Gruber und Frank Castorf. Zu seinen Filmarbeiten zählen zuletzt die Serien Dark, Deutschland 86 und Deutschland 89. Im Kino war er u. a. in den Literaturverfilmungen Das Wochenende und Nackt unter Wölfen zu sehen. Joseph Goebbels spielte er sowohl in Dani Levys Mein Führer als auch in Quentin Tarantinos Inglourious Basterds, wofür er von der Screen Actors Guild geehrt wurde. Weitere Auszeichnungen waren u. a. der Grimme-Preis und die Goldene Kamera.