FAMED

Sebastian M. Kretzschmar und Jan Thomaneck arbeiten als Künstlerduo und leben in Leipzig. Ihre medial vielfältigen Werke verhandeln Themenkomplexe wie Identität und Produktivität sowie Präsenz im Kontext von Raum und Gesellschaft. Einzelausstellungen: u.a. Kunstverein Braunschweig, Kunstmuseum St. Gallen, Museum der bildenden Künste Leipzig. Gastprofessuren an der Kunsthochschule Kassel und der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.

The Fountain (2021)

Skulptur aus Acryl, LED und Stahl 

Gartenanlagen und Parks standen im Barock und Absolutismus für die Repräsentation von Herrschaft und Wohlstand und gehören heute zur öffentlich zugängigen Kulturlandschaft. Was so natürlich erscheint, ist das Ergebnis einer planerischen Kultivierung, besonders durch die Anlage von künstlichen Teichen, Flussläufen und Brücken, von Wegen und Blickachsen sowie der Integration von Architektur und Denkmälern. Ein zentrales Element des Schlossparks Neuhardenberg ist der malerisch angelegte Teich mit einer alten Weide auf einer Insel. Auf einen Springbrunnen wurde bei der Anlage des Parks allerdings verzichtet, obwohl er das Bedürfnis auf Repräsentation hätte untermauern können. Heute dienen Springbrunnen oft als Treffpunkte, Ausflugsziele oder Orientierungspunkte.

Die inmitten des Teichs installierte Lichtskulptur The Fountain verkörpert einen Springbrunnen. Schon das Material steht im Widerspruch zur Naturhaftigkeit der Umgebung und zu den klassizistischen Denkmälern im Park. Sie ist aus gelbem Vollacryl gefertigt, das durch LED zum Leuchten gebracht wird. Gestalt und Farbe ergeben ein dupliziertes McDonald’s-Logo, dessen Bögen um 90 Grad ineinander verschränkt sind.

Das Logo von McDonald’s gehört zu den bekanntesten Symbolen weltweit. Die Marke steht mit ihrem Geschäftsmodell für Gleichförmigkeit, Schnelllebigkeit, Konsum und Globalisierung. Kaum eine Symbolik könnte einen stärkeren Kontrast in einem historischen Landschaftspark darstellen.

Dennoch fügt sich die Skulptur in das Ensemble ein. Die goldenen Bögen können von mehreren Standpunkten am Ufer aus als Fontäne wahrgenommen werden. Gleichzeitig korrespondieren sie mit dem Wuchs der Weide. Die Idee einer künstlichen Struktur, die sich in die Natur einfügt, wird aufgegriffen und verweist durch die Abstraktion des Markenlogos zugleich auf das Spannungsverhältnis zwischen Hoch- und Popkultur, zwischen Warenästhetik und Naturerleben. Der Landschaftspark, der als eine Gegenwelt zum Alltag und dem modernen städtischen Leben gelten kann, erhält ein gestalterisches Element, das auf radikale, aber ebenso ästhetische Weise die Gegenwart hereinholt.

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