Tatort Neuhardenberg IV
Die Kommissarinnen
Frauen morden anders – diese Erkenntnis ist so alt wie einleuchtend. Aber ermitteln Frauen auch anders? Die erfolgreichste deutsche Krimiserie, der Tatort, scheint dies nahezulegen: Von den aktuell 48 Kommissarinnen und Kommissaren, die Sonntag für Sonntag die Frage: »Wo waren Sie gestern Abend zwischen 18 und 19 Uhr?« so oder ähnlich stellen, sind 20 weiblich. Grund genug, nach einem Wochenende, das 2014 den männlichen Kommissaren gewidmet war, nun die Frauen zu Wort und Stimme kommen zu lassen.
Man weiß nicht recht, wen Menschen, deren Herz für Krimis schlägt, besser kennen: ChrisTine Urspruch, die als Rechtsmedizinerin Silke Haller nicht nur den Spott ihres Chefs Professor Karl-Ludwig Börne in den Katakomben der Münsteraner Fernsehrechtsmedizin erträgt? Oder Agatha Christie, die Grande Dame der Kriminalschriftstellerei, deren berühmteste Geschöpfe der belgische Detektiv Hercule Poirot und die eigenartig liebenswerte Miss Marple sind?
An diesem Abend muß sich niemand entscheiden: ChrisTine Urspruch liest Agatha Christie.
1920 ließ Agatha Christie Hercule Poirot zum ersten Mal ermitteln. Kurz vor ihrem Tod 1976 veröffentlichte sie die schon in den vierziger Jahren geschriebene letzte Ermittlertat ihres Poirot, im Verlaufe derer er selbst stirbt. Seinen Rückzug aus dem Detektivgeschehen – und seine Hinwendung zur Kürbiszucht – hatte sie ihn schon 1947 ankündigen lassen: Die Sagen des Altertums nämlich bringen Hercule Poirot auf die Idee, zwölf Fälle zu lösen, die an Schwierigkeit und Einfallsreichtum nur den zwölf Arbeiten des Herkules gleichkommen. Schon das erste Verbrechen beweist, daß sich die Zeiten zwar geändert haben, die Menschen und ihre Schwächen sich aber gleich geblieben sind.
Daraus liest ChrisTine Urspruch, die ihre Schauspielkarriere auf der Bühne begründete. Im Kino feierte sie umjubelte Erfolge als Sams in drei abendfüllenden Produktionen. Seit 2014 spielt sie die Hauptrolle der Kinderärztin Dr. Klein in der gleichnamigen ZDF-Serie.