Stunde Null
Als der Krieg zu Ende war
Am 8. Mai 1945, vor nunmehr 70 Jahren, kapitulierte die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Der Zweite Weltkrieg war beendet, der vollständige Zusammenbruch des ›Dritten Reichs‹ besiegelt. Was folgte, war die Stunde Null, der Moment zwischen Untergang und Wiederaufbau, der Moment, in dem die Chance zu einem voraussetzungslosen Neuanfang zu liegen schien.
Viele deutsche Soldaten erlebten diesen Neuanfang in Kriegsgefangenschaft, sie kamen oft erst Jahre später heim in ein Land, in dem der Anfang schon gemacht war. So erlebt es auch der Ich-Erzähler in Heinrich Bölls Text Als der Krieg zu Ende war. Aus einem Gefangenenlager bei Brüssel kehrt er auf mühevollen Wegen in seine zerbombte Heimatstadt Köln zurück und beginnt eine nervenaufreibende Suche nach seiner Frau. Die Erzählung ist so autobiographisch wie Heinrich Bölls großes Memento Brief an meine Söhne, in dem er seine Empfindungen bei Kriegsende darlegt: Not, Schuld und Versagen. Der Brief erschien 1984 in der ZEIT.
Aus beiden Texten liest Charles Brauer, der seine Filmkarriere 1946 als Elfjähriger mit dem Nachkriegsdrama Irgendwo in Berlin begann. Später lernte er die Schauspielerei von Grund auf und war 20 Jahre Ensemblemitglied am Hamburger Schauspielhaus. Einem breiten Publikum ist Charles Brauer nicht nur als Heinz Schölermann in der ersten deutschen Familienfernsehserie Familie Schölermann bekannt, sondern vor allem auch als Hamburger Tatort-Kommissar Peter Brockmöller, den er fünfzehn Jahre lang an der Seite von Manfred Krug verkörperte.