Reisenotizen Polnische Küste
Ausgehend von einer Reise entlang der polnischen Ostseeküste verwebt die Arbeit subjektive Bildeindrücke zu einem melancholischen Stimmungsteppich. Eine stille Welt verschwindet im Nebel, die erste Kälte zieht über das Land – eine Atmosphäre der Einsamkeit dominiert.
Lukas Fischer unternahm die Reise im Winter, um den Einfluß des Tourismus auf seine Bilder möglichst gering zu halten. Denn es geht um die Menschen, die hier leben, nicht um jene, die hier ihre Ferien verbringen. Der Tourismus ist inzwischen zu einem enormen Wirtschaftsfaktor geworden, er verändert die Küstenorte und dominiert das Erscheinungsbild. Doch gerade in der Abwesenheit der Urlauber, durch die Reduktion des Phänomens auf die infrastrukturellen Spuren, ergibt sich ein spannender Bruch. Der Trubel der Saison ist vorüber, Normalität stellt sich ein, alles geht ruhiger voran.
Zu Tableaus geordnet werden Geschichten assoziiert, die sich erst im Blick des Betrachters formen. Die Arbeit spiegelt so den Blick und das Empfinden des Autors, wie sie zur Projektionsfläche für die Interpretation des Betrachters wird. Durch den bewußten Verzicht auf ein klares Narrativ wird das Wirklichkeitsversprechen unterlaufen und neben der Subjektivität der Produktion auch diejenige der Rezeption thematisiert.
Lukas Fischer studierte Visuelle Kommunikation bei Stefan Koppelkamm und Alex Jordan an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Nach dem Diplom 2013 war er Meisterschüler. Er lebt und arbeitet als Photograph in Berlin.