Mittagsstunde

Ein Film von Lars Jessen
Drehbuch: Catharina Junk
nach dem Roman von
Dörte Hansen

mit Charly Hübner, Peter Franke, Hildegard Schmahl, Rainer Bock, Gabriela Maria Schmeide, Gro Swantje Kohlhof, Lennard Conrad, Julika Jenkins, Nicki von Tempelhoff und Jan Georg Schütte

im Anschluss
Dörte Hansen, Lars Jessen und Hans-Günter Henneke im Gespräch mit Dieter Kosslick

Mittagsstunde ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Dörte Hansen, einer Erzählung über die Menschen im Norden Deutschlands, die nicht viel reden, es aber verstehen, sich zu kümmern, wenn es Not tut. Voll leiser Melancholie erzählt Regisseur Lars Jessen die Geschichte des Verfalls der Dorfkultur, bei der immer die Frage mitschwingt, wer wir in Zukunft sein wollen und wo wir hingehören.

Ingwer, 47 Jahre alt, beschließt, dem Leben in der Stadt den Rücken zuzukehren, um in seinem Heimatdorf Brinkebüll im nordfriesischen Nirgendwo ein Sabbatical zu verbringen. Doch den Ort seiner Kindheit erkennt er kaum wieder: auf den Straßen kaum Menschen, denn das Zusammenleben findet woanders statt. Keine Dorfschule, kein Tante-Emma-Laden, keine alte Kastanie auf dem Dorfplatz, keine Störche, auf den Feldern wächst nur noch Mais. Als wäre eine ganze Welt versunken. Wann hat dieser Niedergang begonnen? Als mit der Flurbereinigung die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und seine Eltern mit dem Gasthof sitzen ließ? Wann verschwand die Mittagsruhe mit all ihren Herrlichkeiten und Heimlichkeiten?

Im Anschluss an den Film sprechen die Autorin Dörte Hansen, der Regisseur und Produzent Lars Jessen und Hans-Günter Henneke, geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Landkreistages, mit Dieter Kosslick über den Film, über den Verlust, vor allem aber über die Wiederbelebung von Kultur und Gemeinschaft im ländlichen Raum.

Dörte Hansen, geboren und lebt in Husum. Sie war freiberufliche Journalistin für Hörfunk- und Printmedien sowie Kulturredakteurin bei NDR info. 2015 veröffentlichte sie ihren Debutroman Altes Land, der wie ihr zweiter Roman Mittagsstunde sogleich zum Bestseller wurde. Altes Land wurde als Zweiteiler vom ZDF mit großem Erfolg ausgestrahlt. Im Herbst 2022 erscheint ihr neuer Roman Zur See.

Lars Jessen, aus Kiel stammend, gehört zu den vielseitigsten und den produktivsten Filmemachern Deutschlands. Er inszenierte Fernsehreportagen und Serienepisoden wie Großstadtrevier oder Die Wache, bevor er 2005 mit Am Tag als Bobby Ewing starb sein Kinodebut als Regisseur gab. Ein großer Erfolg wurde unter anderen auch seine Filme Fraktus und Für immer Sommer 90. Er arbeitet auch immer wieder für Serien wie Tatort, Mord mit Aussicht, Polizeiruf 110 u.v.a.m.

Hans-Günter Henneke, geboren im niedersächsischen Bassum ist Jurist und seit 2000 Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Landkreistages. Zuvor war er u.a. Kreisrat im Landkreis Diepholz. Seit 1996 lehrt er als Honorarprofessor an der Universität Osnabrück. Ein zentraler Schwerpunkt seiner Tätigkeiten liegt in der Entwicklung und dem Erhalt des ländlichen Raums. In diesem Zusammenhang war er von 2015 bis 2021 Vorsitzender des Sachverständigenrats Ländliche Entwicklung der Bundesregierung. Darüber hinaus war und ist Hans-Günter Henneke Mitglied in zahlreichen staatlichen wie kommunalen Gremien. Daneben war er u.a. stellvertretender Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und Mitglied des ZDF-Verwaltungsrates. Er ist Autor zahlreicher Schriften zum öffentlichen Recht, zur Verwaltungsrechtslehre und zu öffentlichen Finanzen.

Dieter Kosslick, geboren in Pforzheim, war Persönlicher Redenschreiber des Ersten Bürgermeisters Hans-Ulrich Klose in Hamburg, bevor er Pressesprecher für die Leitstelle Gleichstellung der Frau wurde. Anschließend war er Redakteur bei der Zeitschrift Konkret, Geschäftsführer des Hamburger Filmbüros und Geschäftsführer der Filmstiftung NRW bevor er von 2000 bis 2019 Direktor der Berlinale war. Er ist Vorsitzender der Jury des Carl Laemmle Produzentenpreises und Mitglied im WDR-Rundfunkrat.