Kino trifft Kulinarik
Die von Dieter Kosslick kuratierte Veranstaltungsreihe Kino trifft Kulinarik im Neuhardenberger Sommergarten bietet in diesem Jahr außer einer Neuauflage von Michael Hoffmanns innovativer Neuinterpretation des Garten-Picknicks eine einzigartige filmkünstlerische Inszenierung als Gesamtkunstwerk, ein wahres Gipfeltreffen der Künste Film, Musik und Garten. In kaum einem Werk der Filmgeschichte spielt ein historischer Garten eine so entscheidende Rolle wie in Peter Greenaways Klassiker Der Kontrakt des Zeichners (1982). Gleichzeitig ist die Musik, die Michael Nyman für diesen Film geschrieben hat, keine bloße Begleitung der Handlung, sondern ein dominantes und prägendes Element.
Was liegt da näher, als Michael Nyman, der 2002 eine „Hymne“ für Neuhardenberg schrieb, mit seiner Band einzuladen, ein Konzert im Park von Schloss Neuhardenberg zu geben? Komplettiert wird der Abend durch die kulinarischen Delikatessen von Michael Hoffmann, bis 2014 Inhaber des Berliner Sternerestaurants Margaux und bekannt für seine innovativen Gemüsegerichte.
Auf Vorbestellung können Sie aus zwei verschiedenen Größen der von Michael Hoffmann exklusiv zusammengestellten Picknick-Körbe für zwei Personen wählen. Aus der Küche von Michael Hoffmann wird eine Auswahl verschiedenster Köstlichkeiten angeboten: Viele der Zutaten stammen aus dem Garten des Meisterkochs. Bitte bestellen Sie die Picknick-Körber unter 033476 – 600 750 vor. Das Picknick-Menu wird für Sie bereits ab 18 Uhr in der Orangerie bereitgehalten.
The Michael Nyman Band
Michael Nyman, piano
Gabrielle Lester, violin
Ian Humphries, violin
Kate Musker, viola
Tony Hinnigan, cello
David Roach, saxophones
Simon Haram, saxophones
Andy Findon, saxophone and flute
Toby Coles, trumpet
Paul Gardham, french horn
Nigel Barr, bass trombone
Martin Elliott, bass guitar
Michael Nyman ist nicht nur der Erfinder des Begriffs „Minimal Music“ für eine bestimmte Kompositionsweise der zeitgenössischen Musik, er ist auch einer ihrer bedeutendsten Vertreter. Zunächst waren es Komponisten wie Steve Reich und Philip Glass, die sich in den späten Sechzigerjahren von der atonalen Musik absetzten und Harmonien nicht scheuten, bald folgte Michael Nyman mit eigenen Arbeiten. 1976 gründete er seine Band, die seitdem das wichtigste Laboratorium seiner Kompositionsarbeit ist. Heute ist Michael Nyman einer der innovativsten und meistgeschätzten britischen Komponisten. Sein Werk umfasst Opern, Streichquartette und Orchesterkonzerte. Darüber hinaus ist er Dirigent, Bandleader, Pianist, Autor, Musikwissenschaftler und neuerdings auch Fotograf und Filmemacher.
Besonders viel Ruhm trugen Michael Nyman seine Filmmusiken ein, darunter der preisgekrönte Soundtrack zu Jane Campions Film Das Piano sowie ein Dutzend Filme von Peter Greenaway, zu denen neben Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber auch Der Kontrakt des Zeichners aus dem Jahre 1982 gehört.
2002 schuf er anlässlich der Gründung der Stiftung Schloss Neuhardenberg die Komposition Zeit und Ziel. 1814-2002, die von ihm und seiner Band in Neuhardenberg uraufgeführt wurde. Sie wird im Neuhardenberger Sommergarten wieder erklingen, ebenso wie Teile aus der Filmmusik zu Der Kontrakt des Zeichners.
Außerdem werden Michael Nyman und Dieter Kosslick mit dem Gartenhistoriker Hans von Trotha ein Gespräch darüber führen, wie die Künste Garten, Musik und Film zusammenspielen.
Der Kontrakt des Zeichners
ein Film von Peter Greenaway
Komposition: Michael Nyman
mit Anthony Higgins, Janet Suzman, Anne Louise Lambert,
Hugh Fraser, Neil Cunningham
103 min, FSK 16 (GB)
mit einer Einführung von Dieter Kosslick
Das Landgut Compton Anstey, Wiltshire, im Jahr 1694. Mrs Virginia Herbert verpflichtet den Künstler Mr Neville, Zeichnungen von dem Anwesen anzufertigen, woraus sich eine verwickelte Geschäftsbeziehung zwischen dem Maler, der Hausherrin und deren Tochter ergibt. Als der Hausherr tot aufgefunden wird, kommen, als sei’s ein Roman von Agatha Christie, eigentlich alle Beteiligten als Täter in Frage. Aber es werden noch ganz andere Intrigen gesponnen, die sich wie ein Netz über den barocken Garten legen und in denen die Zeichnungen des Anwesens sowie die Person des Zeichners eine entscheidende Rolle spielen.
Peter Greenaways erster Spielfilm, 1982 gedreht, ist ein Klassiker des europäischen Films. Er ist Kriminalfilm, Historienstück und Gesellschaftssatire, aber auch eine Reflexion über die Frage, was Kunst leisten kann und was man sieht, wenn man hinsieht, und was vielleicht auch nicht. Der barocke Park ist nicht nur malerischer Schauplatz, er steht auch sinnbildlich für eine Epoche, deren Liebe zur Geometrie der Entfaltung enge Grenzen setzt, und für die labyrinthischen Wege, die die Wahrheit, die Liebe und das Leben bisweilen nehmen. Getragen, vorangetrieben und atmosphärisch zugespitzt wird das Ganze von der zum Kult gewordenen Musik, für die sich Michael Nyman von sechs Chaconnes des Barock-Komponisten Henry Purcell inspirieren ließ. Diese einzigartige Kombination von Film, Malerei, Gartenkunst und Musik ergibt ein Gesamtkunstwerk, das auch nach über 30 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat.