Kino trifft Kulinarik

im Neuhardenberger Sommergarten

kuratiert von Dieter Kosslick

Anna Depenbusch & Band

Michael Hoffmanns Garten-Picknick

Eine Komödie im Mai
ein Film von Louis Malle

Le déjeuner sur l´herbe. Das Frühstück im Grünen. So heißt eines der berühmtesten Bilder des französischen Impressionismus. Das Picknick in malerisch schöner Landschaft gehört zu den Kulturtechniken eines französischen savoir-vivre, die die Welt mit großer Lust übernommen hat. Dieter Kosslick und die Stiftung Schloss Neuhardenberg laden zu einem ganz besonderen Picknick in den historischen Lenné-Park: Gefeiert wird die Kultur des Picknicks auf Michael Hoffmanns erprobtem Sterne-Niveau.

Mit Louis Malles melancholisch-heiterer Komödie im Mai erinnert eines der schönsten Picknicks im Film aber auch an die Ereignisse, die vor 50 Jahren Frankreich erschütterten: die 68er-Revolte in Paris. Vive la révolution?

Die Sängerin und Songschreiberin Anna Depenbusch repräsentiert eine deutsche Spielart des Chansons, die den Vergleich mit ihren französischen Kollegen nicht zu scheuen braucht. Zu erleben auf der Schlossparkbühne.

Anna Depenbusch & Band

Anna Depenbusch, Gesang, keys, Ukulele
Ulrich Rode, Gitarre
Anne De Wolff, u. a. Posaune, Vibraphon und Harmonium
Oliver Karstens, E-Bass, Kontrabass
Sönke Reich, Schlagzeug

Anna Depenbusch
ist eine poetische Geschichtenerzählerin und eine Meisterin der Brüche. Ihre Lieder handeln von den Besonderheiten des Alltags, vom Leben und der Liebe in allen Facetten. Sie formt Geschichten aus Wahrheiten, Phantasie und Ironie. Sie schlüpft in die Rolle der Verliebten, der Verletzen, der Träumerin und der Beobachterin.

Mit viel Gefühl erfüllt ihre Stimme den Raum. Sie flüstert und pfeift, sie streichelt, bebt, spottet und berührt. Und manchmal, wie in der dynamischen „Haifischbarpolka“, huschen plötzlich flackernde Bilder vom Cabaret der zwanziger Jahre vorbei. Dann scheint sich das Klavier unter Annas Fingern zu biegen und zu atmen wie ein Akkordeon.

Für die in Hamburg geborene Sängerin und Songschreiberin steht bereits als Kind fest, dass sie ihr Glück in der Musik suchen will. Als Zehnjährige steht sie im Rahmen der Schul-Bigband erstmals auf einer Bühne. Von da an ist sie kontinuierlich auf ihrem Weg als Musikerin unterwegs, auf dem sie sich auch von Rückschlägen nicht beirren lässt. Ihre Texte sind lebensnah, aber hintersinnig und geheimnisvoll, die Melodien sind eingängig, aber nie banal. Ihre Alben haben Titel wie Die Mathematik der Anna Depenbusch oder zuletzt Das Alphabet der Anna Depenbusch. Sie experimentiert mit unterschiedlichsten Sounds und Genres, in dem neben Pop, Jazz und Blues auch Country und Disco-Beats ihren Platz finden. Vielleicht ist es diese Offenheit und Vielfalt, die sie für die Presse zur „feinsten Chansonnière Deutschlands“ macht.

Eine Komödie im Mai

ein Film von Louis Malle
mit Miou-Miou, Michel Piccoli, Dominique Blanc, Michel Duchaussoy,
Bruno Carette, Paulette Dubost, Harriet Walter u. a.
107 min, FSK 12 (Frankreich, Italien, 1990)
mit einer Einführung von Dieter Kosslick


Mai im Jahr 1968, Frankreich. Die betagte Madame Vieuzac stirbt. Sie hatte zusammen mit ihrem auch schon nicht mehr ganz jungen Sohn Milou (gespielt vom grandiosen Michel Piccoli) in einem idyllischen Landhaus im Südwesten Frankreichs gelebt. Zur Beerdigung reist aus allen Richtungen die Großfamilie an – eine beliebte, stets konfliktgeladene Konstellation der Literatur- und Filmgeschichte. Da schließen sich dem landesweiten Generalstreik auch die Totengräber an. Madame Vieuzac kann bis auf Weiteres nicht bestattet werden. Und so verbringt die Familie sehr viel mehr Zeit gemeinsam auf dem Land als vorgesehen.

Derweil findet die Revolte auf den Pariser Straßen auf der Tonspur statt: im Radio. Ein Augenzeuge taucht auf, ein Neffe, der direkt aus Paris kommt … Droht der Umsturz? Die Anarchie? Ist das das Ende der Idylle? Wie soll man sich retten? – Das reife Spätwerk von Frankreichs Altmeister Louis Malle (1932–1995) feiert das gute Leben auf dem Land und bietet zugleich ein ironisches Bild der französischen Bourgeoisie. Dabei gelingt dem Film heiter-melancholisch der Brückenschlag zwischen der französischen Version der 68er-Revolte und dem Déjeuner sur l´herbe – die perfekte Komödie im Juni in Neuhardenberg.