Kino trifft Kulinarik

im Neuhardenberger Sommergarten

kuratiert von Dieter Kosslick

30 Jahre Mauerfall
Gespräch

Günther Fischer & Band
Gäste: Laura Fischer und Andreas Dresen

Michael Hoffmanns Garten-Picknick

Gundermann
ein Film von Andreas Dresen

Alljährlich laden Dieter Kosslick und die Stiftung Schloss Neuhardenberg zu Kino trifft Kulinarik – einem Fest der Sinne, einer Begegnung der verschiedenen Medien und Künste. Film, Musik, eine lebendige Diskussion und ein außergewöhnliches Picknick spielen unter den alten Bäumen des historischen Lenné-Parks zusammen.

Die diesjährige Ausgabe ist dem 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer gewidmet, der die deutsche Geschichte wie kein anderes Ereignis seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geprägt hat. Mit dem Film Gundermann führt uns Andreas Dresen zurück in die Wendezeit und in die letzten Jahre der DDR – ein ungewöhnlicher Film, der Fragen aufwirft. Regisseur Andreas Dresen diskutiert mit der Autorin Jutta Voigt und Kurator Dieter Kosslick über die Frage, wie man sich den großen Themen DDR und Wende nach 30 Jahren nähern kann.

Nach dem Gespräch betritt Günther Fischer mit seiner Band und einigen erlesenen Gästen die Schlosspark-Bühne, ein Musiker, der dem „Soundtrack“ der DDR eine moderne, kreative und weltläufige Fasson verpasste.

30 Jahre Mauerfall

Jutta Voigt, Andreas Dresen und Dieter Kosslick im Gespräch
Moderation: Hans von Trotha

Vor 30 Jahren fiel die Mauer. Es war das Ende der Teilung Deutschlands und das Ende des Kalten Krieges – der gerade wiederzukehren droht. Dies wirft die Frage auf, wieviel der Mensch aus der Geschichte lernt. Es war auch das Ende zweier sich parallel entwickelnder deutscher Populärkulturen. Zahlreiche Bücher und Filme haben sich dem Leben und der Alltagskultur in der DDR gewidmet, einer Gesellschaft, die es so nicht mehr gibt. Ausgehend von Andreas Dresens jüngstem Film, der anhand der Biographie des Liedermachers Gerhard Gundermann die Zeit vor und nach der Wende lebendig werden lässt, diskutieren Jutta Voigt, Andreas Dresen und Dieter Kosslick darüber, wieviel DDR-Kultur nach 30 Jahren noch zu spüren ist, ob das überhaupt die richtige Fragestellung ist, wie man sich einer schillernden Figur wie Gundermann nähert und ob der Abstand, den wir heute haben, vielleicht nötig ist, um manche Dinge einzuordnen.

Jutta Voigt wurde im Ostteil Berlins geboren, arbeitete als Filmkritikerin und Redakteurin, ist ZEIT-Kolumnistin und Autorin erfolgreicher Bücher, von denen sich einige der Alltagskultur der DDR widmen, zuletzt Stierblutjahre. Die Bohème des Ostens.

Andreas Dresen ist einer der profiliertesten deutschen Filmemacher. Neben seiner Arbeit als Autor und Regisseur ist er brandenburgischer Verfassungsrichter, steht dem Stiftungsrat der DEFA-Stiftung vor und lehrt Filmschauspiel in Rostock. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören Halbe Treppe, Sommer vorm Balkon – und Gundermann.

Dieter Kosslick war von 2001 bis 2019 Direktor der Berlinale, zuvor Büroleiter von Hamburgs Erstem Bürgermeister, Redakteur der Zeitschrift konkret und Vorstand der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen.

Hans von Trotha, Kulturhistoriker und Kenner der Geschichte und Philosophie des Gartens, den er als Vorgängermedium des Films interpretiert, hat zehn Jahre lang den Nicolai Verlag geleitet und lebt als Autor, Kurator und Publizist in Berlin.

Günther Fischer & Band

Gäste: Laura Fischer und Andreas Dresen

Günther Fischer, Gesang, Saxophon, Klavier
Wolfgang „Zicke“ Schneider, Schlagzeug
Matthias Bätzel, Keyboards
Tom Götze, Bass
Rüdiger Krause, Gitarre

Andreas Dresen, Gesang, Gitarre
Laura Fischer, Gesang


Einer der großen deutschen Filmmusiker von internationalem Rang ist der Saxophonist, Komponist, Arrangeur und Bandleader Günther Fischer. Mit seinem Schaffen hatte er wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Jazz in Deutschland. 1967 gründete er sein Quartett, das wenig später zum legendären Günther Fischer Quintett anwuchs, in seiner heutigen Band weiterlebt und damit eine der erfolgreichsten und beständigsten Formationen des deutschen Jazz ist. In den 1970er und 1980er Jahren gehörte Günther Fischer zu denen, die den Jazz in der DDR aus der Provinzialität und Abgeschiedenheit erlösten. Neben der Bandarbeit komponierte, arrangierte und musizierte er unter anderem mit Manfred Krug, Uschi Brüning und Veronika Fischer. Er schrieb Musiken für mehr als 200 Spielfilme, komponierte die Musik zu Fernsehserien wie Der letzte Zeuge, schrieb Musicals und Theatermusiken. Unvergessen auch sein Song Solo Sunny zum gleichnamigen Film.

Gemeinsam mit Günther Fischer werden als Gäste dessen Tochter Laura Fischer sowie der Regisseur des Gundermann-Films Andreas Dresen auf der Bühne stehen. Und weil Günther Fischer auf seinem ereignisreichen Lebensweg vielen interessanten Menschen begegnet ist, kann es durchaus geschehen, dass ihm noch der eine oder andere „gute Bekannte“ auf der Bühne einen Besuch abstattet.

Gundermann

ein Film von Andreas Dresen
mit Alexander Scheer, Anna Unterberger, Axel Prahl, Thorsten Merten,
Bjarne Mädel, Milan Peschel, Kathrin Angerer, Peter Sodann u. a.
mit einer Einführung von Dieter Kosslick


Eine kurze, aber wichtige Szene in Andreas Dresens Film Gundermann aus dem Jahr 2018 zeigt ein kulturelles Ereignis in einem historischen Park im Osten Deutschlands: Am 24. Juli 1994 trat Bob Dylan im Garten von Schloss Friedenstein in Gotha auf. Als Vorgruppe spielte unter anderem Gerhard Gundermann mit seiner Band. Ihm hat Andreas Dresen einen ungewöhnlichen Film gewidmet. Auch wenn das nicht intendiert gewesen sein sollte – er ist einer der originellsten und wichtigsten Beiträge zum Jahrestag des Mauerfalls geworden.

Gundermann ist eine schillernde Figur zwischen den Welten – Kommunist und Nonkonformist; mit Mühe kaum SED-Mitglied geworden, wird er auch schon wieder ausgeschlossen; er ist Sänger, Bandleader, Dichter und Braunkohle-Baggerfahrer, Rebell und Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Wie soll all das zusammengehen? Wie passt das in ein Leben?

Gundermann, der Film, wechselt in Rückblenden und Parallelmontagen zwischen den Nachwendejahren und Episoden aus der DDR-Zeit, um das kurze Leben des Gerhard „Gundi“ Gundermann (1955–1998) in Facetten zu beleuchten und auch zu befragen. Der Film zeigt, beobachtet, rekonstruiert, erzählt, aber er urteilt nicht. Und zwischendurch schwelgt er in Bildern – seien es Autobahnfahrten, grausig-schöne Landschaftsimpressionen über den Braunkohletagebau oder Konzerte der Gundermann-Band Brigade Feuerstein.