Glücklich die Glücklichen

von Yasmina Reza
mit Claudia Michelsen und Sylvester Groth

eingerichtet von Gerhard Ahrens

In scheinbar unabhängigen Episoden hat Yasmina Reza ein literarisches Ich geschaffen, das sie als eine Art multiple Persönlichkeit ihrer selbst bezeichnet. »Ich habe mich vollkommen aufgesplittert«, sagt sie, »und ich habe keine einzige Figur beschrieben, die nicht mehr oder weniger ›ich‹ bin.« Dies ist um so erstaunlicher, als sie zuweilen dieselben Begebenheiten aus entgegengesetzten Perspektiven erzählt. Doch damit wirft sie ein erhellendes Schlaglicht auf die Grenzen der eigenen Wahrnehmung. So verzerrt und eindimensional wie in Rezas Geschichten könnten auch eigene Urteile ausfallen, die man immer für das Ergebnis reiflicher Überlegung und objektiver Betrachtung gehalten und überzeugt verteidigt hatte. Die Beurteilung des Geschehens durch die wechselnden Protagonisten wird zum Spiegel menschlicher Subjektivität, die sich als nicht immer nur liebenswerte Beschränktheit durch die Geschichten zieht.

Claudia Michelsen hat sich eine außerordentliche Präsenz im Film erarbeitet, darunter Deutschland Neu(n) Null von Jean-Luc Godard, das Stasidrama 12 heißt: Ich liebe dich und Der Turm von Christian Schwochow. Seit 2013 ermittelt sie mit Sylvester Groth im Polizeiruf 110 in Magdeburg; 2014 folgte Honig im Kopf von Til Schweiger. In den 1990er Jahren war Michelsen an der Volksbühne Berlin engagiert und arbeitete u. a. mit Heiner Müller, Frank Castorf und Christoph Marthaler. Sylvester Groths Figuren sind tiefgründig bis zur Undurchdringlichkeit, um so intensiver ist sein Spiel. Mit Entschiedenheit und Leidenschaft eroberte er sich die großen deutschsprachigen Theater. Auch im Film ist er immer wieder präsent, so als Joseph Goebbels in Quentin Tarantinos Inglourious Basterds und Dani Levys Mein Führer sowie in Das Wochenende nach Bernhard Schlink und Nackt unter Wölfen nach Bruno Apitz.