Neuhardenberger Rede von Navid Kermani

Moderation des anschließenden Gesprächs: Theo Koll

Navid Kermani ist einer der großen Intellektuellen unserer Zeit. Der Schriftsteller, Reporter, Essayist, Publizist und Orientalist erhielt 2015 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Kermani ist profilierter Beobachter der gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen in diesem Land und darüber hinaus. Mit seinen streitbaren Reden sucht er immer wieder aufzurütteln und etwas in Bewegung zu setzen. Als er am 5. Oktober 2026 das Bundesverdienstkreuzes erhielt, sagte er über Deutschland: »Es ist ein Staat, der aus der Geschichte gelernt hat – nicht sofort, nicht vollkommen, aber doch so, dass es über die Jahrzehnte mehr und mehr zur Identität der Bundesrepublik gehört hat, alles dafür zu tun, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen, wie sie zwischen 1933 und 1945 von deutschem Boden aus begangen worden sind.« Angesichts aktueller Debatten und Wahlergebnisse sagt Navid Kermani dies »voller Sorge«, aber auch »als Ansporn: … Es wird in absehbarer Zeit keine Überlebenden des Holocausts mehr geben. Dann wird es uns aufgetragen sein, … die Erinnerung an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.«