Alle Nähe fern

Lesung

André Herzberg
gelesen von Alexander Scheer

eingerichtet von Gerhard Ahrens

„Ich werde die Geschichte aufschreiben, damit ich weiß, wer wir sind und wie wir waren.“ (André Herzberg)

Er ist rumgerannt, singend, stöhnend, schreiend – und immer auch leise, zweifelnd, nachdenklich: Mit seinen autobiographischen Texten Mosaik und Geschichten aus dem Bett hat André Herzberg sein Leben als Künstler beschrieben, der in der DDR mit seiner Band Pankow ein Star war und der sich um keinen Preis anpassen möchte, nicht dem sozialistischen Staat, nicht dem westdeutschen Musikgeschmack und erst recht nicht den 16 Millionen „Antifaschisten“ von einst.

Herzbergs eigene Geschichte spiegelt sich gewissermaßen doppelt in seinem 2015 erschienenen Roman Alle Nähe fern. Darin erzählt er von der deutsch-jüdischen Familie Zimmermann, von drei Generationen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart: Von Großvater Heinrich, der vor dem Ersten Weltkrieg in die Familienfirma einsteigt und später sich und seine Frau in letzter Sekunde vor dem Holocaust rettet. Von Sohn Paul, der schon zuvor in England in Sicherheit gebracht wurde und nach dem Krieg als überzeugter Kommunist in die DDR geht und dort seine Herkunft verdrängt. Und von dessen Sohn Jakob, dem Erzähler des Romans, der nach einer schwierigen Kindheit Sänger wird und nach dem Mauerfall eine existentielle Krise durchlebt, um nach langem Suchen zum Judentum und zu sich selbst zu finden.

Der Schauspieler und Musiker Alexander Scheer liest aus den lakonischen wie bildgewaltigen Texten Herzbergs, die die lebenslange Sehnsucht nach Bindung und Zugehörigkeit zu einem Land, zu einer Partei, zu einer Familie reflektieren und gleichzeitig die Fremdheit zwischen Vätern und Söhnen offenbaren.

Alle Nähe fern

Lesung

  • Samstag, 24.11.2018
  • 17 Uhr
  • Großer Saal

Eintritt
€ 15,- / ermäßigt € 11,-

Vorverkauf

Für die Veranstaltungen
2020

  • 7_Inforadio (rbb)