Carl-Hans von Hardenberg
Carl-Hans Graf von Hardenberg, geboren am 22. Oktober 1891 in Glogau, gestorben am 24. Oktober 1958 in Frankfurt am Main, war der Ur-Urgroßneffe des Staatskanzlers und der letzte Standesherr in Schloss Neuhardenberg. Nach schwerer Verwundung im Ersten Weltkrieg und seinem Abschied von der Armee erbte der in Land- und Forstwirtschaft sowie im Bankwesen ausgebildete Graf im Jahre 1921 von seinem Onkel Cuno die Besitzungen.
In den Zeiten der Weltagrarkrise der zwanziger Jahren gelang es Hardenberg und seiner Frau Renate, geb. Gräfin von der Schulenburg-Lieberose (1888–1959), den Bankrott des Gutes zu verhindern. Er engagierte sich, standesgemäß als Deutschnationaler, erfolgreich in der Kommunalpolitik. Früh verweigerte er sich der von den Nationalsozialisten gesuchten Allianz mit dem Adel und legte nach der Machtergreifung Hitlers seine öffentlichen Ämter nieder, um nicht der NSDAP beitreten zu müssen.
Zu Beginn des zweiten Weltkriegs zur Wehrmacht eingezogen, wurde er im Herbst 1940 persönlicher Adjutant von Generalfeldmarschall Fedor von Bock. Nach dessen Ablösung als Oberbefehls- haber der Heeresgruppe Mitte kehrte Hardenberg im Sommer 1942 auf den Familiensitz zurück. Mit Henning von Tresckow, dem Neffen von Bocks, be- sprach er schon früh die Möglichkeiten eines Umsturzes; Schloss Neuhardenberg wurde in der Folgezeit zum Treffpunkt der führenden Köpfe des militärischen Widerstandes, darunter Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Werner von Haeften und Ludwig Beck. In einem gedachten Nach-Hitler-Staat war Hardenberg als Ober- präsident von Berlin und Brandenburg vorgesehen.
Am Tag des Attentats vom 20. Juli 1944 hielt sich Hardenberg im Bendlerblock, der Berliner Zentrale des Umsturzversuches auf, wurde jedoch erst vier Tage später im Gartensaal von Schloss Neuhardenberg, gemeinsam mit seiner Tochter Reinhild, unter dramatischen Umständen von der Gestapo festgenommen. Dabei misslang ein Selbstmordversuch. Die Internierung im Konzentrationslager Sachsenhausen überlebte er nur dank der Pflege des kommunistischen Mithäftlings Paul Hofmann.
Nach der Befreiung des Lagers durch sowjetische Truppen am 22. April 1945 kam auch Hardenberg frei. Mit seiner Familie verließ er nach der faktischen Bestätigung der nationalsozialistischen Enteignung durch die Bodenreform die sowjetisch besetzte Zone in Richtung des alten Familiensitzes Nörten-Hardenberg bei Göttingen und widmete sich fortan der Hohenzollernschen Vermögensverwaltung, während seine Frau der ›Stiftung Hilfswerk 20. Juli‹ als Geschäftsführerin vorstand.
1991 wurde anläßlich des 100. Geburts- tages von Carl-Hans von Hardenberg seine Urne und die seiner Frau nach Neuharden- berg überführt und an der Ostseite der Kirche beigesetzt.
Im Andenken an Ihren Vater gründete Astrid Gräfin von Hardenberg im Jahr 1997 die Carl-Hans Graf von Hardenberg-Stiftung. Die Stiftung fördert die Ausbildung und Erziehung von Jugendlichen im Kreis Märkisch-Oderland und in angrenzenden Gebieten, auch jenseits der deutsch-polnischen Grenze.
